Endokarditisprophylaxe mit Antibiotika

 

Haben Sie einen entsprechenden Ausweis aus früheren Jahren? Für viele ist er nicht mehr gültig!  2007 wurden die Regeln grundsätzlich geändert und vereinfacht, die Zahl der Betroffenen drastisch verringert. Der neue Ausweis kann bei der Deutschen Herzstiftung angefordert werden. Oder in unserer Praxis abgeholt werden.

 

 

Eine zunehmend absurde Prophylaxepraxis mit Antibiotika wurde revolutioniert bzw. vom Kopf auf die Füße gestellt. Und vielen Patienten wird ein unnötiges Krankheitsstigma genommen. Für Hochrisiokopatienten, also vor allem  Patienten mit Klappenersatz und Patienten mit überstandener Endokarditis bleibt aber vieles beim Alten.  

 

Kardiologische Kliniker alter Schule hatten noch die sinnliche klinische  Erfahrung als Korrektiv: Wenn zum Beispiel eine Mitralklappenundichtigkeit so geringfügig war, dass sie mit dem Stethoskop  nicht hörbar war, dann sahen sie auch keinen Grund für eine Endokarditisprophylaxe mit Antibiotika. Da in den letzten Jahren fast jeder mit dem Farbdopplerechokardiogramm diagnostizierte Herzfehler auch bei minimaler Größenordnung reflexartig die Konsequenz einer Empfehlung dieser Antibiotikaprophylaxe nach sich zog, wurden Hausärzte, Zahnärzte, HNO-Ärzte, Chirurgen  und andere Disziplinen inflationär mit derartigen Vorgaben überflutet.  Umso besser die Echogeräte wurden, umso kleinere Klappenundichtigkeiten erfasst werden konnten, umso maßloser und absurder wurden die Richtlinien umgesetzt. Oft war das nicht tragisch aber überflüssig. Viele Patienten hatten allerdings Probleme mit Allergien und Schäden an der Darmflora und der Flora  anderer Schleimhäute. In extrem seltenen Fällen kam es auch zulebensbedrohlichen akuten allergischen Reaktionen, anaphylaktischen Schocks. Ganz zu schweigen von der Beeinträchtigung durch die Angst und Unsicherheit, ob nicht  nach jedem Infekt doch noch eine komplizierende Herzentzündung folgen könnte.

  

10/2007 hat eine Kommission im Auftrag des Vorstands der deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. dieser inflationären Praxis mit einem Positionspapier bzw einer Richtlinie ein Ende gesetzt und auf rationale evidenzbasierte Empfehlungen reduziert (vorausgegangen waren 2007 ähnliche Leitlinien der American Heart Association).  Die Endokarditisprophylaxe mit Antibiotika wird nur noch empfohlen bei folgenden Hochrisikopatienten: 

-         Patienten mit prothetischem Klappenersatz und

-         Patienten mit überstandener Endokarditis.

-         sowie weiteren wenigen Patienten mit sehr speziellen Konstellationen (bei angeborenen zyanotischen Herzfehlern, nach Herzfehleroperationen auch ohne Klappenersatz bei Verwendung von prothetischem Material in den ersten 6 Monaten nach Op. und bei Transplantierten mit Entwicklung von Klappenfehlern). Siehe auch Tabelle 1 der unten verlinkten Leitlinie/Empfehlung. Die Effektivität ist aber auch für die verbliebene Gruppe nicht nachgewiesen. Ein möglicher sinnvoller Schutz sollte ihr aber wegen eines potentiell hochgradig lebensgefährlichen Verlaufs einer Endokarditis nicht vorenthalten werden und ist verhältnismäßig. Die Prophylaxe selbst  wurde auch vereinfacht und auf die einmalige Gabe von 2g Amoxicillin bzw bei Penicillinallergie von 600 mg Clindamycin 30-60 Min. vor einem entsprechenden Eingriff  (meist im zahnärztlichen oder HNO also Hals/Nasen/Ohren-Bereich) reduziert. Viele Eingriffe, z.B. Magen- und Darmspiegelungen gelten nicht mehr als gefährlich, es sei denn, eine Infektion liegt vor.  Für viele Herzfehlerpatienten (alle, die oben nicht erwähnt wurden) sind diese Maßnahmen ohnehin nicht mehr erforderlich, z.B. für Patienten mit den häufigen Mitralinsuffizienzen bei Kranzgefäßerkrankungen oder bei Mitralklappenprolaps. Einige weitere Details wurden auch noch verändert. Das vollständige Positionspapier kann über einen unten gelb unterlegten Link erreicht werden. Die deutsche Herzstiftung informiert auch sehr gut aus erster Hand. (www.herzstiftung.de)

 

Das Grundprinzip der  Endokarditisprophylaxe bleibt wie folgt: bei bestimmten nicht steril durchführbaren medizinischen Eingriffen und  bei bakteriellen Infekten kommt es zu Bakterieneinschwemmungen in die Blutbahn. Normalerweise kommt es dabei nicht zu einer Keimansiedlung im Herzen, das eigene Immunsystem verhindert dies. Bei Herzfehlern kann es aber zu örtlichen Turbulenzen  und im Gefolge zu Rauhigkeiten des auskleidendenden Endothels mit Thrombozytenanlagerungen und dadurch auch leichter zu Keimansiedlungen und –vermehrungen kommen. Diese entziehen sich dem eigenen Immunsystem und auch einer antibiotischen Therapie und können zusammen mit Blutplättchen und Fibrin sogenannte Vegetationen bilden oder die Klappentaschen und Segel zerlöchern und zerstören. Diesen Prozess soll eine Antibiotikagabe 30-60 Minuten vor dem entsprechenden Eingriff  im Vorfeld verhindern. Wichtigstes Antibiotikum bleibt Amoxicillin (2g), bei Penicillin- bzw. Amoxicillinallergie stellt Clindamycin (600 mg) die Alternative dar. Ansonsten müssen bakterielle Infektionen konsequent nach den Regeln der Kunst behandelt werden, was aber auch für alle anderen Patienten zutrifft.

 

    

      

 

Die meist implantierte Kunstklappe

von SJM

(Saint Jude Medical)

 

 

 

 

Deutsche Herzstiftung

 

www.herzstiftung.de

 

Link, bitte auf Adresse oder Logo klicken.

Hier kann der neue Endokarditisprophylaxe-Ausweise bestellt werden    

Kardiologe in Essen

 

Link hier Klicken:  Positionspapier der DGK zur Prophylaxe der infektiösen Endokarditis

 

 

 

DGK:  

 

 

 

 

www.dgk.org